Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan

Informationsplattform des Bündnisses für Familie (Nürnberg)

Lernkompetenz

 

Esther Segitz-Fäte

 

Erkenntnisse der Gehirnforschung

• Dem Schönen ist es vergönnt, am meisten bemerkt zu werden. Sokrates

Positive Erfahrungen und Erlebnisse sind die gängigsten Lernstoffe: Man lernt nicht alles, was auf einen einstürmt, sondern das, was einen positiven, erfreulichen Eindruck macht.

• Erfahrung mit Neuem führt zu einer Freisetzung von Dopamin – ein Opioid, das im Gehirn positive Empfi ndungen freisetzt. Das kommt allerdings nur dann in Gang bei Erfahrungen, die besser als erwartet sind. Dasselbe wird bei Schokolade, schöner Musik oder Blickkontakt mit einem attraktiven Menschen bewirkt.

• Menschen sind von Natur aus motiviert – sie werden äußerst effektiv dafür vom Gehirn aus gesteuert. Man sollte sich weniger die Frage nach der Motivation stellen als die nach der Demotivation.

Die Bedeutung der lernmethodischen Kompetenz

Forschungsergebnisse von Ingrid Pramling (Schweden) zeigen, dass Kinder einzelne Teile und Themen von Projekten nicht zueinander in Konstellation bringen können: Kinder im Vorschulalter nehmen Lernprozesse per se nicht wahr. In den verschiedenen Aktivitäten eines Projekts können Kinder keinen Sinn erkennen – sie verstehen auch nicht, dass einzelne Aktivitäten zusammengehören und einen Gesamtprozess bilden.

Die Erzieher müssen den Kindern die erforderliche lernmethodische Kompetenz vermitteln und ihnen ein effi zientes und „sinnvolles“ Lernen beibringen. Die Lernstruktur muss für die Kinder verständlich werden, da die Kinder sonst nur Einzeleindrücke behalten, die keinen Sinn ergeben.

Beispiel:

Bei einem Projekt zum Thema „Wetter“ wurden die Kinder nach ihren Lerneindrücken befragt. Eine Antwort lautete: „Ich habe gelernt, ein Thermometer zu basteln.“ Die Zusammenhänge mit dem Wetter-Komplex wurden nicht erkannt.

In einer immer komplexeren Welt müssen Kinder darin so früh wie möglich geübt sein, Wissen erschließen zu können. Sie entwickeln mit dem 4. Lebensjahr metakognitive Fähigkeiten: Bewusstsein für das Lernen und seine Inhalte. So erschließt sich der Sinn des Gegenstands und Methode des Lernens.

Aktuelles Wissen ist nur in einem Prozess des lebenslangen Lernens zu erwerben.Ziel ist es deshalb, den Kindern Kompetenzen des Wissenserwerbs zu vermitteln, die sie zu lebenslangem Lernen befähigen (BEP S.40).

Denken über das eigene Nachdenken

Kompetenzen, die Wissen aufbauen, bezeichnet man als lernmethodische Kompetenz: Beim Lernen werden soziale und individuelle Formen von Metakognition, aber auch Selbststeuerung, eingesetzt.

In metakognitiv orientierten Lernarrangements fördert man das Bewusstsein der Kinder über den Vorgang des Lernens, die Inhalte und die Methode. Kinder lernen Zusammenhänge eines Projekts zu erkennen – als Bestandteil desselben Lernprozesses.

Kindern lernen den Sinn eines Projekts und seiner Bezüge zu verstehen und können so effektiver lernen. Sie refl ektieren gemeinsam und mit der ErzieherIn und können sich Informationen gezielter beschaffen, verarbeiten und ihr Wissen schließlich zu Problemlösungen einsetzen. Das wiederum ist eine entscheidende Voraussetzung für schulisches Lernen und für die Fähigkeit, sich lebenslang neues Wissen anzueignen.

Kindliches Selbstverständnis

Kinder meinen, sie lernen etwas, wenn sie Fertigkeiten erwerben, also lernen, wenn sie etwas tun, was sie vorher noch nicht konnten – basteln, turnen, singen etc. Dabei glauben Kinder durchaus, dass Wissen verbal vermittelt wird – nur meinen sie, dabei nichts gelernt zu haben.

Es gilt also die möglichst frühe Entwicklung der Fähigkeit des abstrakten Lernens als Aktivität zur Wissensbeschaffung.

Um das Bewusstsein der Kinder für den Lernprozess zu fördern, gilt es drei Aspekte bei der Planung und Durchführung von Projekten zu beachten:

• Thema oder Inhalt mit Ziel

• Struktur des Inhalts

• Thematisierung des Lernprozesses

Praxisbeispiel Berufe

Thema oder Inhalt

• Wissensstand der Kinder

• Begriff des Berufs

• Berufsbezeichnungen

• Berufstätige (Arbeiter, Handwerker, Arbeitnehmer, Akademiker, Unternehmer usw.)

• Lebensexistenz und Beruf

• Motiv, Zielsetzung, Sinn eines Berufs

Struktur des Inhalts – Pädagogisches Verfahren und Vorgehen, Materialien zur Visualisierungund zum Verständnis des abstrakten Begriffs „Beruf“

• Rollenspiel

• Ratespiel

• Schaubilder

• Vortrag, Film, Ausflug

• Produkte beschreiben

• Zielsetzung der Produkte

• Werkstatt im Kindergarten

Thematisierung des Lernprozesses

• anregende Fragen

• unterstützende Kommentare, gemeinsamer Dialog und Aufbau des Sinn-Zusammenhangs

• didaktische Prinzipien: Anschauung, Lebensnähe, Übung, Teilschritte, Variabilität

• Zusammenstellen und sammeln der kindlichen Erlebnisse und Erfahrungen

• Präsentation der Ergebnisse und Reflexion

Fazit der Ideengruppe

Die Realisierung des BEP erscheint im Zusammenhang mit den aktuellen Erkenntnissen der Hirnforschung dringlich.

Erfahrungen der Kinder können mit abschließenden Präsentationen gesichert werden. Die Erzieher/der Erzieher ist die Moderatorin/der Moderator der Lernarrangements. Sie/Er befördert den Fortgang durch Impulse und hilft beim Transfer. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ – auch die Erwachsenen lernen, wenn sie etwas tun.