Grundpositionen des BEP
Esther Segitz-Fäte (aktualisiert 3.07)
Das neue Verständnis von Bildung, das dem BEP zugrunde liegt, geht nicht mehr von der Selbstbildung des Kindes aus, das sich in eigener Aktivität die Welt aneignet (Piaget). Vielmehr wird Bildung als sozialer Prozess verstanden, der sich in einem bestimmten Umfeld, Situationen und Bezügen entwickelt. Lernen und Wissenserweiterung werden verstanden als interaktionaler und ko-konstruktiver Prozess, an dem Kinder, Pädagogen und Eltern gleichermaßen beteiligt sind.
Lernen, Denken und Verstehen sind keine isolierten Prozesse, sondern Ergebnisse sozialer Aushandlungsprozesse. Fragen, Interessen und Themen der Kinder bilden die Grundlage für die Lehrangebote, die miteinander konstruiert, also ko-konstruiert werden.
Die Fachkraft moderiert die Lernarrangements und das freie Spiel. Sie nimmt also unmittelbaren Einfluss auf die Lernprozesse und die Entwicklung der Kinder und übernimmt so auch mehr Verantwortung.
Mit der Verabschiedung des Kindertagesstättengesetzes im Jahr 2005 wurde der BEP für Kindergarten und Kinderkrippe verpflichtend. Er bietet einen Orientierungsrahmen für den gesetzlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag – er umfasst zwar pädagogische Grundsätze, räumt aber auch Gestaltungsspielräume ein, sehr zur Beruhigung aller Skeptiker unter den Erziehern, die gegen einen fest gefügten Bildungsplan eingestellt sind.
Bildung nach diesem Verständnis ist nicht mit der herkömmlichen schulischen Bildung gleich zu setzen – allerdings sollen kindliche Kompetenzen gestärkt werden, die Kinder später auch in der Schule benötigen.
Grundpositionen des BEP:
• Individuelle Förderung der Kinder in ihrer Persönlichkeitsstruktur: physisch, emotional, intellektuell, kreativ, sprachlich, sozial. Der BEP geht also von einem ganzheitlichen Ansatz aus, der sowohl alle Entwicklungsstadien der Kinder umfasst als auch ihre Lebensbedingungen.
• Beobachtung der kindlichen Entwicklung und eine darauf abgestellte individuelle Förderung in Abstimmung mit den Eltern. Grundsätzlich sollen alle Kinder gezielt und fortlaufend beobachtet werden unter dem Gesichtspunkt der Entwicklung, des Wohlbefindens, der Lernbereitschaft, der sozialen Bezüge – zu Kindern wie zu Erwachsenen.
Diese Beobachtung soll von standardisierten Methoden unterstützt werden:
- Sammlung von Produkten
- freie Beobachtung und Aufzeichnung
- Strukturierte Beobachtung und Aufzeichnung
Jedes Kind soll auf diese Weise eine individuelle Förderung und Begleitung erfahren unter Berücksichtigung der Perspektiven von Eltern und Pädagogen.
• Lebenslang lernen – Der BEP berücksichtigt Kinder von Geburt an bis zu sechs Jahren. Eine Fortschreibung für den Hortbereich soll folgen. Mit dem Erwerb lernmethodischer Kompetenzen wird die Grundlage für eine dauerhafte Einstellung zum selbst gesteuerten Lernen geschaffen.
• Dokumentation von Lern- und Entwicklungsprozessen – Grundlage für pädagogische Planung und Reflexion.
• Reflexion des didaktischen und pädagogischen Handelns.
• Evaluation und Überprüfbarkeit.
Der BEP stellt ein offenes Rahmencurriculum dar - mit Vorgaben und Anregungen für die Einrichtungen, um dort Konzeptionen formulieren und entwickeln zu können, die auf ihre jeweiligen Bedingungen zugeschnitten sind. Die Umsetzung verlangt, dass die Voraussetzungen in den Einrichtungen stimmen. Das ist wiederum von zwei Faktoren abhängig: der Aus- und Fortbildung der Pädagogen und der personalen Ausstattung.
Träger, Einrichtungen und Fachkräften bekommen so eine wichtige Grundlage für professionelles Arbeiten, einen Rahmen, der Orientierung gibt, pädagogisches und didaktisches Handeln begründet und einzelne Erziehungsfaktoren in einen Gesamtzusammenhang ordnet. Er eröffnet auch neue Aspekte, die bisher nicht berücksichtigt wurden – so die gezielte Stärkung lernmethodischer Kompetenz bei jüngeren Kindern, die Berücksichtigung von Resilienz und eine neue Interpretation der Bewältigung von Übergängen.
Für die Abstimmung zwischen Eltern und Fachkräften enthält der Plan inhaltliche Angaben zur Bildung im Vorschulalter nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gibt auch Anregungen für eine neue Qualität der Zusammenarbeit von Eltern und Fachkräften.
Schließlich vermittelt er auch der Öffentlichkeit die große Komplexität und Bedeutung der Bildung und Erziehung von Kleinkindern – eine entscheidende Phase im gesamten Erziehungsverlauf.