Nürnberg als Pionier beim Übergang vom Kindergarten in die Schule
Monika Gorbahn
Kooperation zwischen Kindergarten Burgerstraße und Schule
Andrea Hawel, Claudia Hirsch
Ein neuer Weg zum Schulanfang - Kindertagesstätte und Schule Reutersbrunnenstraße
Erni Pflaum-Steger, Renate Littschwager, Johanna Kraft, Carola Kaiser
Monika Gorbahn
Der besondere Dank gilt dem Netzwerk der vielen Einrichtungen, die in ihrer erstaunlich großen Anzahl die wichtige Veranstaltung zu BEP ermöglicht haben.
Wichtig und zukunftsweisend ist aus heutiger Sicht die gute und intensive Zusammenarbeit von Kindergärten und Schule.
Kinder sollten den Übergang vom Kindergarten in die Schule nicht als Einschnitt erfahren, sondern als natürliche Fortsetzung in ihrer Entwicklung – das ist für ihr Lernen von großer Bedeutung.
Einige Formen der Zusammenarbeit funktionieren bereits: der Arbeitskreis Kindergarten–Grundschule, die Förderung des phonologischen Bewusstseins, die ehrenamtliche Mitarbeit, die Kooperationsbeauftragten.
Der neue Bayerische Erziehungs- und Bildungsplan gibt Gelegenheit, bereits bestehende Formen der Zusammenarbeit zu reflektieren, zu vertiefen und neue Ideen einzubringen.
Das Staatliche Schulamt wird die Zusammenarbeit von Kindergärten und Schulen nach Kräften zu unterstützen: Nürnberg hat auf diesem Gebiet immer eine Vorreiterrolle gespielt – darauf darf man schon ein wenig stolz sein.
Viel Erfolg für die Veranstaltung und allen Beteiligten viel Freude an der Arbeit und am Austausch von Ideen.
Andrea Hawel, Claudia Hirsch
Seit der Eröffnung unserer Einrichtung vor drei Jahren arbeiten wir sehr eng mit der Sprengelschule in der Scharrerstraße zusammen. Diese Verbindung ist für uns sehr wichtig, da die Erleichterung des Übergangs in die Schule einer unserer pädagogischen Schwerpunkte ist. Vorschulerziehung beginnt bei uns auch nicht erst im letzten Jahr des Kindergartens, sondern bereits mit dem Eintritt. In diesem Zusammenhang gab und gibt es folgende Initiativen:
Gemeinsames Sprachförderkonzept – „Würzburger Modell“ zur phonologischen Bewusstheit
Eine Lehrerin kommt einmal wöchentlich zu uns in den Kindergarten und macht mit den Vorschulkindern Sprachförderung.
Die Kinder kennen also bereits eine Lehrerin – eine gute Voraussetzung für den leichteren Übergang.
Konzert eines Kinderliedermachers mit Liedern zur Sprachförderung, das auch von Schulklassen in unserem Kindergarten besucht wurde. So lernen Kinder Die „Anlauttabelle“, die in der Schule verwendet wird, bereits im Kindergarten kennen und können sich bereits jetzt damit vertraut machen.
Gemeinsame Feste
Laternenfest u.a. (gemeinsame Lieder, Treffen am Diehlplatz), Faschingsumzug durch den Stadtteil mit anschließender Open- Air-Party am Kindergarten. Dazu wurden Tänze mit mehrere Schulklassen im Kindergarten eingeübt. Kinder, Lehrer, Erzieher
Einladungen und Besuche
Eine 1. Klasse mit ehemaligen Vorschulkindern kommt zum Kürbisessen in den Kindergarten. Der Kontakt zu unseren Ehemaligen wird so gepfl egt, die ihrerseits die Neuen aus dem Kindergarten kennen lernen und ihnen helfen können.
Eine 2. Klasse liest den Kindern vor – ein Briefwechsel zwischen Kindergarten und Schule ging dem voraus.
Mindestens einmal im Jahr besuchen wir mit unseren Vorschulkindern die Schule und nehmen dort an einer Unterrichtsstunde teil, lernen Lehrer und Schulräume kennen.
Kommunikation
Am ersten Elternabend im Jahr berichtet eine Lehrerin über ihre Sprachfördergruppe. Die Eltern beobachten eine enge Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Schule – das erleichtert auch ihnen den Übergang.
Einmal jährlich stellen sich zwei Lehrer im Kindergarten vor und besprechen mit den Kindern den Schulalltag und die erforderlichen Materialien und Utensilien. Auch die Eltern können sich bei dieser Gelegenheit informieren.
Weiter besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Hort in der Schlossstrasse. Inzwischen wurde in den Räumen des Horts ein gemeinsamer Informationsabend veranstaltet – vor allem für die Eltern. Regelmäßig sorgen wir für gegenseitige Besuche der Kinder.
Erni Pflaum-Steger, Renate Littschwager, Johanna Kraft, Carola Kaiser
Anforderung
• Gespräche mit vielen Eltern von künftigen Erstklässlern im Kindergarten und Hort über ihre Unsicherheiten und Ängste vor der Einschulung der Kinder.
• Geringe Teilnahme deutscher und Migranteneltern an den Elternabenden in den Jahren vor dem Schulanfang.
Initiative
• Neugestaltung des Elternabends – Gemeinsamer Elternabend von Kindergarten, Hort und Schule
• Information über den Schulanfang – anschaulich, praxisnah und einfach
Einer aus der Elterngruppe, bereits erfahren, berichtet über anfängliche Unsicherheiten beim Schulanfang.
Zukünftige Erstklass-Eltern sollen mit ihren Kindern angeregt werden und sich auf den neuen Lebensabschnitt freuen.
Einstieg
• Die Leiterinnen von Kindergarten und Hort erlebten große Aufgeschlossenheit bei der Leitung der Reutersbrunnenschule.
für das Projekt eines gemeinsamen, neu gestalteten Elternabends.
• Ein Kooperationsteam – die Konrektorin der Schule und die Leiterinnen des Kindergartens und des Horts - trat erstmals im Januar 2003 zusammen. An vier weiteren Terminen wurden die zentralen Fragen des organisatorischen Rahmens und der Inhalte diskutiert.
Konzept und Organisation
• Leitfaden der organisatorischen Planung
1. Motivation der Eltern für den gemeinsamen Elternabend
2. Einbeziehung aller Erstklassfamilien im Sprengel
3. Einbeziehung der Migrantenfamilien
4. Termin und Ort der Veranstaltung
5. Vertreter der Eltern, der über eigene Erfahrung spricht
6. Form und Inhalt des Informationsvortrags für die Eltern
Einladung
Die Einladung dient dem Zweck möglichst alle Erstklasseltern zu erreichen und zur Teilnahmean der Elterninformation zu motivieren.
Gestaltung
Attraktiver Blickfang – Hingucker – dekorierte Schultüte, mit einem Schokotäfelchen gefüllt und auf die Einladung geklebt, Angabe von Termin, Ort, Dauer, Veranstalter und Lageplan. Die Einladung wird von Erziehern und Kindern im Kindergarten und Hort gestaltet.
Verteilung und Versendung
Kontakt und Recherchen der Leiterin des Kindergartens bei allen Kindergärten und Kinderläden des Sprengels nach Kindern, die im kommenden Jahr eingeschult werden sollten. Je nach Anzahl der Kinder wurden die Einladungen an die Einrichtungen verteilt. Eltern von Kindern, die keine Betreuungseinrichtung besuchten, erhielten von der Schule eine Einladung.
Die dichte Verteilung und Versendung ergaben Mehrfach-Adressen. Kindergärten und Kinderläden mit Schulanfängern, Kinderhort mit entsprechenden Anmeldungen, Schule mit vorliegenden Anmeldungen, Eltern zukünftiger Erstklässlern erhielten mindestens zwei Einladungen.
Termin
Der Elternabend sollte nach der Schul- und Horteinschreibung stattfi nden, damit die Einladungen noch einmal persönlich den Eltern übergeben werden konnten; durch den ersten Kontakt mit Lehrern und Erziehern des Horts sollte bei der Einschreibung die Schwellenangst abgebaut werden.
Ort
Der Kindergarten Reutersbrunnenstraße in unmittelbarer Nähe des Schulhauses, da hier die meisten Schulanfänger verankert waren.
Begleitdienst
Die Erzieher der 15 Kindergärten und Kinderläden im Stadtteil sowie die Schule organisierten Begleitdienste, um unsicheren und ortsunkundigen Eltern den Besuch des Elternabends zu ermöglichen und Schwellenängste abzubauen.
Erstklassmutter
Eine Mutter aus dem Hort, deren Sohn die erste Klasse besuchte, sollte ihre Erfahrungen aus der Sicht der Eltern weitergeben, um Unsicherheiten zu relativieren.
Raumgestaltung
In der Eingangshalle waren Stühle halbkreisförmig aufgestellt: Stellwand, Flipchart und weitere Kommunikationsmittel standen bereit. Schultüte, -tasche und Sportbeutel waren als wichtigste Schulutensilien eines ABC-Schützen ausgestellt. An seitlichen Tischen legten wir Übungsmaterialien aus Freiarbeit und Lernsituationen zum Anschauen, Anfassen und Üben aus.
Bereitgestellte Getränke und Kleingebäck sollten den Abend gemütlich und freundlich gestalten.
Vortrag
Die Konrektorin der Reutersbrunnenschule hatte einen leicht verständlichen Vortrag ausgearbeitet.
Veranstaltung
Persönliche und offizielle Begrüßung
Mitarbeiterinnen der Kindertagesstätten und der Schule begrüßten die Eltern am Eingang persönlich, dann übernahmen zwei Leiterinnen der Kindertagesstätten die Ansprache an die Eltern und führten in einem kurzen Überblick den Verlauf des Abends vor.
Vortrag
Eine Grafik stellte – stark vereinfacht – einen Überblick über das bayerische Schulsystem vor. Darin erschien der Kindergarten gleichberechtigt mit der Schule als Bildungseinrichtung. Diese Grafi k wurde auch als Handzettel verteilt.
Dann folgten die Informationen für den erfolgreichen Schulbesuch.
Voraussetzungen für den erfolgreichen Schulbesuch
• Grundlagen eines Schulbesuchs
• Voraussetzungen für einen Schulbesuch
• Förderung des Kindes im Tagesablauf
Zur Visualisierung wurden Wortkarten mit Bildsymbolen an einer Stellwand befestigt. Die Themenbereiche wurden getrennt und farbig unterschieden präsentiert. Während des Vortrags entstand so ein Schaubild, das vor allem Teilnehmern mit geringen Deutschkenntnissen das Verständnis des Vortrags erleichterte.
Schließlich wurden Schultüte, Schultasche und Turnbeutel ausgepackt, um die ersten Schulmaterialien vorzustellen. Sie konnten im Anschluss an die Veranstaltungen noch einmal betrachtet werden.
Erstklassmutter
Nach dem Schulvortrag schildert die Mutter eines Erstklässlers ihre Sorgen und Bedenken vor und während der ersten Wochen der Einschulung. Die Anwesenden konnten Anforderungen und Neu-orientierung nachvollziehen, die der Schuleintritt eines Kindes mit sich bringt. Zugleich wurde aber auch deutlich, dass jede Familie diese Situation organisatorisch bewältigen kann.
Austausch und Anschauung
Im Anschluss an den offiziellen Teil des Abends boten sich Mitarbeiterinnen aus Kindergarten, Hort und einige Lehrerinnen als Gesprächspartnerinnen den Eltern an und beantworteten weitere Fragen. Die ausgestellten Schul- und Lernmaterialien konnten einer eingehenden Prüfung unterzogen werden.
Empirie
Die gemeinsame Vorbereitung, Organisation und Durchführung des Informationsabends für Eltern, entwickelten sich für die Einrichtungen und Pädagogen äußerst erfolgreich: Es war eine arbeitsteilige und entlastende Vorbereitungszeit. Das Ziel, Eltern der Kinder, die bald in die Schule überwechseln würden, umfassend zu informieren und ihnen die Angst vor diesem Schritt zu nehmen, wurde deutlich.
• Alle Einrichtungen verfolgen dasselbe Ziel: Förderung und Erziehung der ihnen anvertrauten Kinder
• Es gibt eine effiziente Zusammenarbeit von KITA und Schule
• Die Grundpositionen der Einrichtungen für die Erziehung von Kindern sind identisch
• Die Erwartungen der Einrichtungen an das Elternhaus gleichen sich
Die große Nachfrage und der begeisterte Beifall am Schluss der Veranstaltung darf als Erfolg und Ansporn für weitere Initiativen gewertet werden. Bedenken, der in einfachen Formulierungen gehaltene Vortrag könnte von den deutschen Teilnehmern zu simpel aufgefasst werden, trafen nicht zu. Alle anwesenden Eltern werteten den Abend als informativ und anregend.
Die Möglichkeit, mit den Pädagogen Einzelgespräche führen zu können, wurde gern und häufig angenommen. Viele Eltern betonten zum Abschied die positive Wirkung des Informationsabends – sie fühlten sich ruhiger und sicherer in Erwartung der Einschulung ihrer Kinder.